Macht Social Media Jugendliche krank? Was die Forschung sagt und was nicht
Kaum eine Frage wird so hitzig diskutiert. Wir erklären, was Korrelation und Kausalität hier bedeuten, warum seriöse Forschende zu unterschiedlichen Schlüssen kommen und was Eltern trotzdem tun können.
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Von Redaktion familydevice
„Das Smartphone hat eine ganze Generation krank gemacht“ oder „Dafür gibt es keinen Beleg“: Beide Sätze hört man, oft von Fachleuten. Wie kann das sein? Dieser Beitrag erklärt, worüber die Forschung tatsächlich streitet und warum Eltern trotzdem nicht auf das Ende der Debatte warten müssen.
Worum der Streit geht
Der Sozialpsychologe Jonathan Haidt verweist in seinem Buch „The Anxious Generation“ (2024) darauf, dass Jugendliche in mehreren Ländern seit Anfang der 2010er-Jahre häufiger von Ängsten und depressiven Symptomen berichten, also in dem Zeitraum, in dem Smartphones und Social Media alltäglich wurden. Er sieht darin einen ursächlichen Zusammenhang. Die Frage ist, ob das eine das andere verursacht hat oder ob beides gleichzeitig passiert ist, aus teils anderen Gründen. Die Entwicklungspsychologin Candice Odgers hält in ihrer Besprechung des Buchs in der Fachzeitschrift Nature dagegen: Die vorliegenden Daten seien überwiegend korrelativ und zeigten meist kleine oder uneinheitliche Effekte; eine „Neuverdrahtung“ einer ganzen Generation durch Social Media sei nicht belegt [3].
Was große Studien zeigen
Beides widerspricht sich weniger, als es scheint. Ein kleiner durchschnittlicher Effekt kann bedeuten, dass die meisten Jugendlichen kaum betroffen sind, einige aber deutlich. Und „nicht sicher genug“ ist eine Aussage über Vorsorge, nicht der Nachweis eines Schadens.
Warum die Antwort so schwer ist
Auch die amerikanische Kinderärztevereinigung AAP richtet den Blick inzwischen stärker auf die Gestaltung der Angebote (etwa auf Mechanismen, die zum Weiterscrollen verleiten) statt nur auf die Nutzungsdauer einzelner Kinder [4].
Was Eltern daraus mitnehmen können
Die Forschung entwickelt sich schnell. Wir aktualisieren diesen Beitrag, wenn neue Längsschnitt- oder Interventionsstudien vorliegen.
Quellen
- [1]Amy Orben, Andrew K. Przybylski (2019): The association between adolescent well-being and digital technology use (Nature Human Behaviour 3, 173–182)
- [2]U.S. Department of Health and Human Services (2023): Social Media and Youth Mental Health: The U.S. Surgeon General’s Advisory
- [3]Candice L. Odgers (2024): The great rewiring: is social media really behind an epidemic of teenage mental illness? (Nature, Buchbesprechung)
- [4]American Academy of Pediatrics (2026): Digital Ecosystems, Children, and Adolescents (Policy Statement, Pediatrics 157/2)